Vortrag über Prags jüdisches Zentrum im Mittelalter
Die wohl älteste dauerhafte jüdische Ansiedlung in Böhmen befand sich in Prag, der Stadt an der Moldau. Es wird vermutet, dass sie aus einer ursprünglichen Kaufmannssiedlung hervorging und sich allmählich zu einer dauerhaften Ansiedlung im Gebiet unterhalb des böhmischen Fürstensitzes – der heutigen Prager Burg – entwickelte. Hundert Jahre später wurden die Juden jedoch von dort vertrieben und zogen über die Moldau in die heutige Altstadt. Dort konzentrierte sich die jüdische Ansiedlung allmählich auf die Judenstraße und einige angrenzende Gebiete nördlich des Altstädter Rings. Bis zu den kritischen Jahren der Herrschaft Wenzels IV. und vor allem bis zum Prager Pogrom von 1389 wuchs die Zahl der Prager Juden allmählich an. Sie konnte sich aber im Mittelalter wegen der Hussitenkriege und der zunehmenden antijüdischen Stimmung in der Gesellschaft nicht mehr vollständig erholen. Erst in der frühen Neuzeit, vor allem unter Rudolf II., kam es zu einer erneuten Blüte jüdischer Ansiedlung.
Hauptthema des Vortrags wird nicht nur die Topographie der historischen jüdischen Ansiedlung im mittelalterlichen Prag sein, sondern vor allem das Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung vom 11. bis zum 15. Jahrhundert.
Moderiert wird der Abend von Dr. Martin Sladeczek. Der Einlass in die Alte Synagoge erfolgt ab 18:00 Uhr. Beginn ist um 18:30 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei.
Zur Person
Eva Doležalová leitet die Abteilung für mittelalterliche Geschichte am Historischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind die mittelalterliche und spätmittelalterliche Kirchengeschichte sowie das Zusammenleben von Juden und Christen in der mittelalterlichen Gesellschaft. Von 2011 bis 2014 leitete sie ein Forschungsprojekt zum Zusammenleben von Christen und Juden in Böhmen und Mähren im Mittelalter. Von 2018 bis 2024 arbeitete sie am Projekt Lumina quaeruntur zum Thema „Migration und Mobilität in der Prager jüdischen Gemeinde am Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit“ mit. Derzeit bereitet sie gemeinsam mit Lenka Blechová einen weiteren Quellenband zur Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren für die Regierungszeit der Luxemburger Könige Karl IV. und Wenzel IV. vor.
Zur Veranstaltungsreihe
Die beliebte Vortragsreihe „Arain! Der Erfurter Synagogenabend“ in der Alten Synagoge in Erfurt bietet einmal monatlich kostenfreie Vorträge rund um jüdische Geschichte, das Jüdisch-Mittelalterliche UNESCO-Welterbe Erfurt, andere Welterbestätten und das globale Welterbeprogramm. Alle Termine und Themen des Jahres gibt es unter www.erfurt.de/jl125547 zu entdecken.
Zu den Kulturtagen
Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen sind das Festival der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen gemeinsam mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen. Mit einem vielfältigen, überraschenden und lebendigen Programm – zusammengesetzt aus Konzerten, Vorträgen, Lesungen, Ausstellungen, Performances und Filmen – schaffen sie Begegnung und Nähe mit jüdischer und israelischer Kultur. Alle Informationen und insgesamt über 80 Veranstaltungen in 16 Thüringer Städten im Zeitraum 19. März bis 10. April sind unter www.jikt.de zu finden.